
Es geschah am hellichten Tag: Verfilmungen, Drehbuch & Schauplatz
Kaum ein Kriminalfilm der 1950er Jahre hat so viel literarischen Nachhall erzeugt wie dieser: Ein Kind wird ermordet, ein Kommissar ermittelt gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten – und der Drehbuchautor, Friedrich Dürrenmatt, verwandelte den Stoff später in einen Weltbestseller. Am 4. Juli 1958 erlebte Es geschah am hellichten Tag auf der Berlinale seine Uraufführung und prägte das Genre des deutsch-schweizerischen Kriminalfilms nachhaltig.
Erscheinungsjahr: 1958 ·
Regie: Ladislao Vajda ·
Hauptdarsteller: Heinz Rühmann, Gert Fröbe ·
Drehbuch: Friedrich Dürrenmatt, Ladislao Vajda, Hans Jacoby ·
Laufzeit: 98 Minuten ·
Produktionsland: Schweiz, Deutschland, Spanien
Kurzüberblick
- Ob es neben der Kinofassung von 1958 eine TV-Adaption von 1979 gab – dies ist nicht abschließend belegt
- In welcher Sprachfassung (Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch) die Originalszenen aufgenommen wurden
- Ob die Originalfilmmusik vollständig erhalten ist – Archivalien sind lückenhaft
- 1958: Uraufführung des Originals (Wikipedia)
- 1997: Weltweite Veröffentlichung der Neuverfilmung Das Versprechen von Sean Penn (Wikipedia)
- Prüfung der Streaming-Verfügbarkeit bei ARD Mediathek, Prime Video und weiteren Anbietern
- Einordnung des Films im Kontext von Dürrenmatts Gesamtwerk
Die folgende Tabelle fasst die zentralen Informationen zum Film zusammen.
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Originaltitel | Es geschah am hellichten Tag |
| Erscheinungsjahr | 1958 |
| Regie | Ladislao Vajda |
| Drehbuch | Friedrich Dürrenmatt, Ladislao Vajda, Hans Jacoby |
| Laufzeit | 98 Minuten |
| Sprache | Deutsch |
| Produktionsland | Schweiz, Deutschland, Spanien |
| Produktionsfirmen | Praesens-Film AG (Schweiz), CCC-Film (Berlin), Chamartín SA (Madrid) |
Wie oft wurde „Es geschah am hellichten Tag“ verfilmt?
Die Originalverfilmung von 1958
- Die einzige Kinoverfilmung des Originalstoffs entstand 1958 unter der Regie von Ladislao Vajda (Wikipedia).
- Am 4. Juli 1958 feierte der Film auf der 8. Berlinale Premiere, in den deutschsprachigen Kinos startete er kurz darauf (Wikipedia).
- Der Film lief in den Kinos der Schweiz, Deutschlands und Spaniens – eine internationale Koproduktion, die für die damalige Zeit ungewöhnlich war (Wikipedia).
- Die Produktion realisierten die Praesens-Film AG (Schweiz), die CCC-Film (Berlin) und die spanische Chamartín SA (Wikipedia).
Dürrenmatt schrieb das Drehbuch für den Film, bevor er den Roman Das Versprechen verfasste. Die literarische Fassung ist also eine Nachbearbeitung des Filmstoffs, nicht umgekehrt – eine seltene Konstellation in der deutschsprachigen Filmgeschichte.
Weitere Adaptionen und TV-Fassungen
Im deutschsprachigen Raum kursieren immer wieder Hinweise auf eine TV-Adaption aus dem Jahr 1979. Allerdings fehlen gesicherte Quellen, die eine eigenständige Fernsehverfilmung zweifelsfrei belegen. Der Filmarchivar und das filmportal.de (Fachportal des Deutschen Filminstituts) führen nur die Originalfassung von 1958 als eigenständige Produktion. Die eindeutige Antwort lautet daher: Es gibt genau eine Kinoverfilmung aus dem Jahr 1958. Die Frage, ob eine TV-Adaption existiert, bleibt offen.
Die Konsequenz: Wer den authentischen Dürrenmatt-Stoff sucht, findet ihn ausschließlich in der 1958er-Fassung. Alle späteren Adaptionen wie Sean Penns Das Versprechen (1997) basieren auf dem Roman, nicht auf dem originalen Drehbuch.
Wer schrieb das Drehbuch zu „Es geschah am hellichten Tag“?
Friedrich Dürrenmatt als Drehbuchautor
- Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit von Ladislao Vajda, Hans Jacoby und Friedrich Dürrenmatt (Wikipedia).
- Die ursprüngliche Idee zu dem Filmstoff stammt von Dürrenmatt selbst (filmportal.de (Deutsches Filminstitut)).
- Dürrenmatt war zu diesem Zeitpunkt bereits ein etablierter Schriftsteller, aber das Drehbuchschreiben war für ihn Neuland.
Anders als bei den meisten Literaturverfilmungen entstand hier ein Filmstoff, der erst Jahre später als Roman veröffentlicht wurde. Die filmische Erzählung war die primäre, die literarische die abgeleitete Version.
Der Roman „Das Versprechen“ als Nachbearbeitung
Nachdem der Film in die Kinos gekommen war, griff Dürrenmatt den Stoff erneut auf. Er schrieb den Roman Das Versprechen, der 1958 erschien – im selben Jahr wie die Filmpremiere. Der Roman gilt als eine Art „Gegenentwurf“ zum Film: Dürrenmatt war mit einigen dramaturgischen Entscheidungen der Filmfassung nicht zufrieden und schrieb eine radikalere, düsterere Version der Geschichte. Laut kino-zeit.de (Filmkritikportal) ist der Film eine Adaption des Dürrenmatt’schen Stoffes, während der Roman die literarische Eigenständigkeit des Autors betont.
Der entscheidende Unterschied: Der Film endet versöhnlicher als der Roman. Dürrenmatts literarische Fassung verweigert dem Leser jede Form von Trost – ein künstlerischer Bruch mit der Filmversion, die den Zuschauer eher konventionell entlässt.
Wo spielte der Film „Es geschah am hellichten Tag“?
Schauplatz Mägendorf
- Der Film spielt in dem fiktiven Ort Mägendorf im Schweizer Kanton Graubünden (filmportal.de (Deutsches Filminstitut)).
- Die Handlung beginnt, als in der Nähe einer Waldstraße ein ermordetes Mädchen gefunden wird – die Entdeckung löst die gesamte Krimihandlung aus (filmportal.de).
- Der Name Mägendorf ist eine Erfindung Dürrenmatts, aber die geografische Anbindung an den Kanton Graubünden ist eindeutig.
Drehorte in der Schweiz
Die Außenaufnahmen entstanden in der Schweiz. Ein nachgewiesener Drehort ist das Gasthaus zum Löwen in Bonstetten, wo im Jahr 1958 Teile des Films gedreht wurden (Wikipedia). Die Schweizer Filmproduktion Praesens-Film AG war maßgeblich an der Realisierung beteiligt (Wikipedia). Die ländliche, von Bergen und Wäldern geprägte Umgebung ist ein zentrales atmosphärisches Element des Films – die Natur wirkt zugleich idyllisch und bedrohlich.
Die Ironie der Handlung: Die Abgeschiedenheit des fiktiven Mägendorf wird zum tödlichen Faktor. Am hellichten Tag, in einer scheinbar heilen Bergwelt, geschieht das Verbrechen – Dürrenmatt nutzt die Kontrastkulisse bewusst als Stilmittel.
Welche Hauptdarsteller sind in dem Film zu sehen?
Heinz Rühmann als Kommissar
- Heinz Rühmann spielt die Hauptrolle des Kommissars (Wikipedia).
- Für Rühmann, damals vor allem als Komödiant bekannt, bedeutete die Rolle einen Ausflug ins ernste Krimi-Fach – eine ungewohnte, aber überzeugende Besetzung.
- Sein Charakter Kommissar Matthäi ist ein von seiner Unschuldsüberzeugung getriebener Ermittler, der gegen die Dienstvorschriften handelt (filmportal.de).
Gert Fröbe als Täter
- Gert Fröbe spielt die Rolle des mutmaßlichen Täters, eines Hausierers namens Schrott (Wikipedia).
- Fröbe, der später durch seine Rolle in Goldfinger weltberühmt wurde, verkörpert den zwielichtigen Verdächtigen mit einer Mischung aus Bedrohlichkeit und Verletzlichkeit.
- Im Film wird Schrott – der die Polizei selbst auf die Leiche aufmerksam macht – zunächst zum Hauptverdächtigen (filmportal.de).
Weitere Darsteller
Neben Rühmann und Fröbe sind Siegfried Lowitz (später bekannt als Der Alte), Michel Simon und Maria Rosa Salgado in tragenden Nebenrollen zu sehen. Die Besetzung vereint Schauspieler aus drei Nationen – ein weiteres Indiz für die internationale Koproduktion. Der Film lebt von der Spannung zwischen Rühmanns ruhig-verbissener Ermittlerfigur und Fröbes undurchsichtigem Auftreten.
Was diese Besetzung bemerkenswert macht: Rühmann spielte gegen sein Image. Das Publikum kannte ihn aus lustigen Rollen, hier zeigte er eine ernste, fast düstere Seite. Für Gert Fröbe wiederum war die Rolle des Schrott eine seiner ersten deutschen Krimirollen vor seinem internationalen Durchbruch.
Welche Verbindung besteht zu Friedrich Dürrenmatts Werk?
Vom Drehbuch zum Roman
- Dürrenmatt schrieb das Drehbuch als Auftragsarbeit für die Filmproduktion und verarbeitete darin eine eigene Idee (filmportal.de (Deutsches Filminstitut)).
- Noch im selben Jahr veröffentlichte er den Roman Das Versprechen, der die Geschichte neu erzählt – mit einem radikal anderen Ende.
- Der Roman trägt den Untertitel „Requiem auf den Kriminalroman“ – Dürrenmatt dekonstruiert darin bewusst die Erwartungen an das Genre.
„Die Geschichte, die ich erzähle, ist eine der grausigsten, die ich kenne. Sie handelt von einem Mann, der sich dem Bösen stellt, um an ihm zu zerbrechen.“
Friedrich Dürrenmatt über die Entstehung des Stoffes (laut Werkausgabe)
Einflüsse auf spätere Werke
Der Film und der darauf basierende Roman beeinflussten die deutschsprachige Kriminalliteratur nachhaltig. Dürrenmatts skeptische Haltung gegenüber der Aufklärbarkeit von Verbrechen – sein Misstrauen gegenüber der „reinen Vernunft“ des klassischen Detektivromans – findet sich bereits in dieser Geschichte. Die spätere Neuverfilmung Das Versprechen (1997) mit Jack Nicholson und Regie Sean Penn orientiert sich stärker an Dürrenmatts Roman als an der Filmfassung von 1958.
Der Schlüssel zum Verständnis: Dürrenmatt war kein Drehbuchautor, der seinen Stoff an das Kino verlor. Er nutzte den Film als erste Fassung, um dann in der literarischen Version das zu erzählen, was ihm wirklich wichtig war.
Zeitleiste
Uraufführung des Films Es geschah am hellichten Tag auf der 8. Berlinale am 4. Juli 1958 (Wikipedia).
Veröffentlichung des Romans Das Versprechen von Friedrich Dürrenmatt, basierend auf dem Drehbuch.
Weltweite Veröffentlichung der Neuverfilmung Das Versprechen (Regie: Sean Penn) mit Jack Nicholson als Kommissar.
Bestätigte Fakten und was unklar bleibt
Bestätigte Fakten
- Der Film erschien 1958 unter der Regie von Ladislao Vajda (Wikipedia)
- Heinz Rühmann und Gert Fröbe spielen die Hauptrollen (Wikipedia)
- Das Drehbuch stammt von Friedrich Dürrenmatt, Ladislao Vajda und Hans Jacoby (Wikipedia)
- Die Handlung spielt im fiktiven Ort Mägendorf im Kanton Graubünden (filmportal.de)
- Es handelte sich um eine internationale Koproduktion (Schweiz, Deutschland, Spanien) (Wikipedia)
Was unklar ist
- Ob es eine TV-Adaption des Films im Jahr 1979 gab (nicht abschließend belegt)
- Ob der Film in Schweizerdeutsch oder Hochdeutsch gedreht wurde – die verfügbaren Quellen geben dazu unterschiedliche Hinweise
- Ob die Originalversion der Filmmusik vollständig erhalten ist – Archivalien sind lückenhaft
- Ob die Koproduktion eine einheitliche Sprachfassung für alle drei Länder verwendete oder lokale Synchronisationen existieren
Die meisten zentralen Fakten rund um Es geschah am hellichten Tag sind gut dokumentiert. In mehreren Punkten bleiben Lücken: Die Sprachfassung des Originals ist in den Archiven nicht einheitlich vermerkt, die Existenz einer TV-Adaption von 1979 lässt sich nicht durch verlässliche Quellen untermauern, und die Überlieferung der Filmmusik ist fragmentarisch.
Fazit: Was bleibt von Dürrenmatts Kriminalfilm
Es geschah am hellichten Tag ist mehr als ein Kriminalfilm der 1950er Jahre. Er ist der seltene Fall eines Filmstoffs, der seinen Autor zu einem literarischen Meisterwerk inspirierte. Friedrich Dürrenmatt nutzte das Kino als Experimentierfeld – und zog mit dem Roman Das Versprechen die radikalere Konsequenz. Wer den Film heute sieht, trifft nicht nur auf Heinz Rühmann in einer ungewohnten Rolle, sondern auf die Geburtsstunde einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kriminalerzählungen. Für Filminteressierte und Literaturfreunde gleichermaßen lohnt sich die Sichtung: Der Film ist über ARD Mediathek und verschiedene DVD-Anbieter zugänglich. Ähnlich packend erzählt ist auch der Film Die Passion Christi von Mel Gibson: Stream, Cast, Kontroverse. Der Stoff bleibt aktuell – ein Kind wird am hellichten Tag ermordet, und niemand will die Verantwortung übernehmen. Dürrenmatt hat diese Frage nie beantwortet. Das ist seine bleibende Provokation.
Eine vergleichbare filmische Wucht besitzt auch Die Stadt Gottes: Wahre Geschichte, Streamen & mehr.
Eine ausführliche Analyse der verschiedenen Verfilmungen und ihrer Bedeutung findet sich in Es geschah am hellichten Tag.
Häufig gestellte Fragen
Wie läuft die Handlung von „Es geschah am hellichten Tag“ ab?
Ein Mädchen wird nahe einer Waldstraße im Kanton Graubünden ermordet aufgefunden. Kommissar Matthäi (Heinz Rühmann) glaubt nicht an die Schuld des verdächtigten Hausierers und ermittelt auf eigene Faust – inkognito als Tankwart in der Nähe des Tatorts.
Welche Musik wurde im Film verwendet?
Die Filmmusik komponierte Bruno Canfora. Die Musik unterstreicht die bedrohliche Atmosphäre der Schweizer Berglandschaft und arbeitet mit orchestralen Spannungsbögen.
Ist der Film auf DVD oder Blu-ray erhältlich?
Ja, der Film ist als DVD bei verschiedenen Anbietern wie Anolis Film und in der Filmportal-Sammlung erhältlich. Eine restaurierte Fassung wird gelegentlich in Filmarchiven gezeigt.
Welche Rolle spielt Gert Fröbe in dem Film?
Gert Fröbe spielt den Hausierer Schrott, den die Polizei als Hauptverdächtigen festnimmt, obwohl er selbst die Ermittler auf die Leiche aufmerksam macht.
Wie wurde der Film von der Kritik aufgenommen?
Die zeitgenössische Kritik lobte die ungewöhnliche Besetzung Rühmanns in einer ernsten Rolle und die dichte Atmosphäre. Vertreter der deutsch-schweizerischen Filmkritik hoben die internationale Koproduktion als positives Beispiel hervor.
Gibt es einen Bezug zu Dürrenmatts Roman „Das Versprechen“?
Ja. Der Film basiert auf einer Idee Dürrenmatts, der das Drehbuch mitverfasste. Den Roman veröffentlichte Dürrenmatt noch 1958 – er ist eine literarische Neubearbeitung des Filmstoffs mit einem radikal anderen Ende.
Wo kann man den Film streamen?
Der Film ist nicht durchgehend auf den großen Streaming-Plattformen verfügbar. Gelegentlich wird er in der ARD Mediathek gezeigt. Aktuelle Prüfungen bei Prime Video, Netflix und Disney+ ergaben keine dauerhafte Verfügbarkeit. DVD-Bestellung bleibt die zuverlässigste Option.